Die Top 10 Missverständnisse, wenn es um agiles Arbeiten geht

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Agilitis greift um sich. Hier das Gegenmittel

Hier agil, da agil, überall agil. Jeder redet davon, viele wissen nicht was dahintersteckt. Vor kurzem habe ich das Wort Agilitis gelesen. Ich finde, es beschreibt sehr gut, wie Agilität wahrgenommen wird. Aber wird alles besser, wenn man agil arbeitet? Muss jedes Unternehmen agil arbeiten, um überhaupt richtig zu funktionieren? Und was zum Teufel nochmal heißt eigentlich agil zu arbeiten? Es wird Zeit hier einige Missverständnisse auszuräumen!

Die Top 10 Missverständnisse, wenn es um agiles Arbeiten geht:

#1 Agiles Projektmanagement

Der Dauerrenner. Kurz gesagt: So etwas gibt es nicht. Das Gegenteil ist der Fall, agile Methoden kennen kein Projektmanagement. Diese Rolle gibt es nicht. Außerdem gibt es ja auch kein Wasserfall Projektmanagement. Wasserfallmethoden und agile Methoden sind – wie es der Name schon sagt – Methoden, wie man ein Projekt abwickeln kann. Natürlich kann man Tools aus dem klassischen Projektmanagement in agilen Methoden anwenden, deshalb wird das Projektmanagement aber nicht agil.

#2 Mit agilen Methoden werden Softwareprojekte besser

Die akademische Antwort: „kommt drauf an…“. Prinzipiell eignen sich aus unterschiedlichen Gründen agile Methoden besser für Softwareentwicklung als z. B. der Wasserfall. Das heißt aber nicht, dass die Projekte auch besser sind. Ein Unternehmen benötigt einen gewissen Reifegrad, um effektiv und effizient agil zu arbeiten. Diesen Reifegrad kann es bereits zu Beginn der Einführung agiler Methoden haben oder während der Einführung erreichen. Eines ist jedoch sicher: nach dem Start der Einführung agiler Methoden werden die Projekte etwas schlechter laufen und die Teams werden sich mehr anstrengen müssen als zuvor. Wer neue Dinge lernt, kann diese nicht gleich von Beginn an gut. Es wird aber schnell eine Besserung sichtbar werden.

#3 Wer agil arbeiten möchte, muss nach SCRUM arbeiten

Nein. Wer nach SCRUM arbeitet ist in der Regel agil, aber es gibt noch weitere agile Methoden, wie z. B. XP & Kanban. Agil zu arbeiten bedeutet, das agile Manifest ernst zu nehmen, den Werten und Prinzipien zu folgen, und sich ständig weiterentwickeln. Die Methode ist nicht so wichtig, das Mindset zählt.

Und ja, das ist die richtige Website und ja, mehr gibt es nicht. Das agile Manifest ist absichtlich sehr kompakt gehalten.

#4 Agil arbeiten ist die einzig richtige Methode

Eine fast schon religiöse Ansicht, die – wie es in vielen Religionen der Fall ist – einfach nicht richtig ist. Agil zu arbeiten eignet sich bei manchen Projekten und Produkten vielleicht besser als andere Methoden. Aber nicht jedes Unternehmen kann agil arbeiten. Manchmal passen die organisatorischen Strukturen oder die Kundenanforderungen nicht zum agilen Denken. Bevor dann auf Teufel komm raus agile Methoden eingeführt werden, nach dem Scheitern derer großer Frust entsteht und die Methode verflucht wird, sollte lieber auf klassische Methoden gesetzt werden.

#5 Agile Projekte brauchen Projektmanagement

Einer meiner liebsten Irrglauben. Leider wurde lange Zeit versucht agile Projekte unter klassisches Projektmanagement zu stellen. Das ist nicht notwendig. Auch wenn agile Methoden die Rolle Projektmanagement nicht kennen, heißt das nicht, dass diese Aufgaben nicht von anderen Rollen wahrgenommen werden. Und abgesehen davon, sehen die Werkzeuge einfach anders als im klassischem Projektmanagement aus.

#6 Teilagile Projektmethode

Jetzt mal ganz im Ernst: Entweder man arbeitet agil oder nicht. Ein Zwischending gibt es schlicht und ergreifend nicht. Was man allerdings machen kann, vor allem dann, wenn agiles Arbeiten nicht möglich ist, ist sich Werkzeuge aus der agilen Welt auszuborgen. Zum Beispiel das Daily Standup aus SCRUM zur täglichen Koordination des Projektteams. Oder die Retrospektive als regelmäßige Lessons Learned. Aber nur, weil man das macht, ist man nicht agil. Das bessere Wort dafür ist hybride Methode. Ein Wasserfallmodell bleibt aber trotzdem ein Wasserfallmodell.  Umgekehrt ist es jedoch sehr eingeschränkt möglich, klassische Tools in die agile Welt zu transportieren.

#7 Das Management möchte, dass wir agil arbeiten!

Eine meiner Lieblingsaussagen, die wahrscheinlich zu dem Begriff Agilitis geführt hat. Es ist wichtig – sogar essentiell – wenn man agile Methoden wie SCRUM einführt, dass das Management dahintersteht und das auch will. Man wird aber Agilität nicht leben können, wenn das Management will, dass agil gearbeitet wird, selbst nicht versteht was dahintersteckt und auch nicht die notwendigen Freiräume gibt. Um agil arbeiten zu können, muss ein Unternehmen sein Denken ändern und Mut zum Fehler haben, sonst wird die Einführung schiefgehen – egal welches Beratungsunternehmen dabei unterstützt, wie viele Consultants eingesetzt werden, oder wie viele Trainings und Zertifizierungen gemacht werden.

#8 Agile Methoden sind nicht planbar und geben keine Sicherheit

Agile Methoden strahlen eine Unsicherheit aus, die nicht real ist. Wasserfallmethoden strahlen eine Sicherheit aus, die nicht real ist. Kein Projekt, dass klassisch abgewickelt wird, wird am Ende so geliefert worden sein, wie zu Beginn gedacht. Das liegt an der Definition von Projekten. Diese sind nun einmal neuartig, risikoreich, dynamisch und komplex. Agile Methoden sprechen diese Eigenschaften direkt an und sagen, wenn der Weg zum Ziel so ungewiss ist, dann tasten wir uns voran und prüfen immer wieder ob wir am rechten Pfad sind. Unterm Strich sind beide Methoden gleich gut oder schlecht planbar.

#9 Bei agilen Methoden weiß ich nicht was ich wann bekommen werde und was es kosten wird.

Mal unter uns: bei klassischen Methoden auch nicht. Das magische Dreieck, das Kosten, Inhalt und Zeit in Beziehung bringt, ist in agilen und klassischen Methoden gültig. Die Annahme, dass Kosten, Inhalt und Zeit fix sind, ist nicht korrekt. Es gibt einige Tools, mit denen man bei agilen Methoden sehr gut planen kann, was man bis wann bekommt.

#10 Das Projekt ist zu groß um agil abgewickelt zu werden

Auch große Projekte können agil abgewickelt werden. Wo es allerdings zu Schwierigkeiten kommen kann ist die Methode. SCRUM kann sich ab einer gewissen Größe der Organisation – egal ob Projekt oder Linie – als Bremse herausstellen. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, dass agiles Arbeiten nicht von der Methode abhängig ist. Wenn sich SCRUM als nicht mehr passend herausstellt, passt man die Methode einfach an. Alles andere widerspräche auch dem agilen Denken. Es gibt ein sehr gutes und inspirierendes Video von Spotify auf Youtube, wo genau das thematisiert wird.

Agilität: Mehr als nur ein Buzz Word

Agiles Arbeiten oder Agilität ist mehr als nur ein Buzz Word und es ist viel mehr dahinter als nur einen neuen Prozess einzuführen. Wer agiles Arbeiten einführen möchte, ist mit einem Change im Mindset, in der Organisation und im täglichen Arbeiten konfrontiert. Dieser Change wird weh tun, es werden Konflikte auftreten. Aber am Ende des Change Prozesses wird es besser sein als vorher. Die Motivation sollte höher sein und die Qualität der Lieferungen wird besser sein. Man muss es nur ernst nehmen und sich von dem Gedanken lösen, dass man schnell mal auf agiles Arbeiten wechselt. Denn das geht eigentlich immer schief.

Wenn Sie wissen möchten, wie agiles Arbeiten in der Praxis aussieht und mit welchen Schwierigkeiten man bei der Einführung rechnen muss, dann besuchen Sie eines unserer Trainings.

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Über den Autor: 

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Peter Burghardt
Projektleiter für ERP- und CRM-Projekte in der FWI. Mehrjährige Erfahrung als Projektleiter in ERP- , Infrastruktur- und SharePoint-Projekten. Erfahrung in der agilen Softwareentwicklung als Certified Scrum Product Owner mit Verantwortung für die Weiterentwicklung von CRM-Systemen und ist Certified Scrum Master. Studium an der Fachhochschule des BfI Wien, Studiengang „Projektmanagement und IT“. Diplomarbeiten über virtuelle Projektteams und den Einsatz von Enterprise 2.0 für die Kommunikationsoptimierung.

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